4. März 2024

Historie

Radfahrerverein TEUTONIA 1921 Wölfersheim e.V.

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Verfasser stützt sich bei seinen Ausführungen im wesentlichen, auf die ihm vorliegenden Protokolle von Vorstandssitzungen und Generalversammlungen, eine Festschrift zum 30-jährigen Jubiläum, Zeitungsausschnitte, Informationen und Daten von Vereinsmitgliedern, mündliche Überlieferungen und eigene Erfahrungen.

Am 2. April 1921 wurde von Seiten des „Club Gemütlichkeit“ der Beschluss gefasst, einen neuen Sport für Wölfersheim, den Radsport, ins Leben zu rufen. Am gleichen Tag legten neun sportbegeisterte Männer – Albert Hofmann, Hugo Kraft, Wilhelm Aledter IV, Theodor Bender, Heinrich Huber, Wilhelm Schneider, Adolf Aledter, Otto Appel und Wilhelm Stüber – den Grundstein für den Radfahrerverein TEUTONIA. Schon am 9. April 1921 fand die Gründungsgeneralversammlung statt, bei der Wilhelm Schiffmann zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde.

Aller Anfang ist schwer, doch unermüdlicher Eifer und Ausdauer brachten den neugegründeten Verein schon in wenigen Monaten auf ein beachtliches Niveau. Bei der am 16. April 1921 durchgeführten Gründungsfeier mit anschließendem Tanz ergab sich schon ein Mitgliederstand von 28 Personen. Am 27. Mai 1921 wurde der Beschluss gefasst, der Taunus-Wetterauer Radfahrervereinigung beizutreten. Somit konnte man bereits in diesem Jahr an dem Gaufest in Oppershofen teilnehmen.

Als erste sportliche Veranstaltung führte der neu gegründete Verein am 27. Juli des gleichen Jahres ein Vereinsrennen und ein Langsamfahren durch. In den ersten Jahren des Bestehens bestand die sportliche Betätigung vorwiegend im Renn-, Wander- und Korsofahren. Gefahren wurde auf gewöhnlichen Tourenrädern und kurze Zeit später begann man auch schon mit dem Reigenfahren. Beim Zusammenschluss der beiden Radfahrvereinigungen „Taunus-Wetterau“ und „Taunus“ zu dem 1922 gegründeten Radfahrerverbund 1922 trat auch unser Verein als Mitglied über.

Bei der Jahreshauptversammlung, am 4. Januar 1922 wurde Hugo Kraft zum 1. Vorsitzenden gewählt. Hugo Kraft leitete 42 Jahre die Geschicke des RV TEUTONIA und bis Anfang der 60er Jahre setzte er wesentliche Akzente in der Vereinsgeschichte.

Bereits im Jahre 1923 konnte das Vereinsbanner erstanden und geweiht werden. Dieses Banner, in den Farben grün-gelb der „Teutonen“, soll dem Verein stets Verpflichtung und Symbol für echten Sportsgeist sein. Um sich dem Hallenradsport besser widmen zu können, kaufte man im Jahre 1924 sechs neue Reigenmaschinen.

Laut Beschluss des „Radfahrerbundes 1922“ wurde unserem Verein das 2. Bundesfest 1926 übertragen. Bei dieser Veranstaltung konnte der Verein im Reigen- und Korsofahren beachtliche Erfolge erzielen. In den darauffolgenden Jahren bis zum Jahr 1933 konnte der RV TEUTONIA durch seine starke Mitgliederzahl und einheitliche Kleidung beim Korsofahren in der A-Klasse starten und bei vielen Veranstaltungen Erfolge verzeichnen.

Nach der Auflösung des „Radfahrerbundes 1922“ trat der Verein im Jahr 1933 dem Bund Deutscher Radfahrer bei und konnte durch weiter steigende Leistungen im Hallenradsport viele Siege auf Kreis- und Bezirksebene erringen. Erstmals durften wir 1939 an den Gaumeisterschaften in Kassel teilnehmen, wobei den Vertretern des Vereins gleich zwei Gaumeisterschaften gelangen, was gleichzeitig die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften bedeutete. Durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges fanden diese Meisterschaften leider nicht mehr statt und der gesamte Sportbetrieb wurde bis zum Ende des Krieges 1945 lahmgelegt. Auch im RV TEUTONIA hat dieser Krieg eine sehr große Lücke gerissen.

Nach dem Zusammenbruch 1945 wurden alle Ortsvereine zu einer Kultur- und Sportgemeinde zusammengeschlossen. Hier schloss sich auch unser Verein unter der Sparte Radfahren an und nahm den Sportbetrieb umgehend wieder auf. Noch im gleichen Jahr startete man bei den Hallenradsportwettkämpfen des Hessischen Radfahrerverbandes in Bergen-Enkheim.

Nachdem sich Ende 1947 die Kultur- und Sportgemeinde auflöste, wurde der Verein, am 29. Februar 1948 neu gegründet und erhielt somit seine Selbständigkeit wieder. Gleichzeitig wurde er als vollwertiges Mitglied im Bund Deutscher Radfahrer aufgenommen. Um die nötigen Einnahmen für den Sportbetrieb zu bekommen, beschloss man kurzfristig ein Kinderkarussell zu bauen und es bei den jährlich stattfindenden Kinderkostümfesten einzusetzen. Auch wurde das Karussell an benachbarte Radsportvereine ausgeliehen und so konnten weitere Einnahmen erzielt werden.

Neben den Mitgliedsbeiträgen finanzierte sich der Vereine in dieser Zeit vorwiegend aus den Einnahmen bei Fremdensitzungen, Preismaskenbällen, Kinderkostümfesten, Theateraufführungen und sonstigen Tanzveranstaltungen.

Durch eine kontinuierliche Aufbauarbeit qualifizierte man sich mit zwei Mannschaften für die Deutschen Hallenradsportmeisterschaften 1949 in Hannover. Hier errang die 1. Mannschaft im 6er Reigenfahren der Frauen den ersten und bisher einzigen Deutschen Meistertitel für den RV „TEUTONIA“. Die 2. Frauenmannschaft belegte den 2. Platz. Auch im darauffolgenden Jahr konnten durch ähnlich gute Leistungen bei den Deutschen Meisterschaften in Mönchengladbach die Plätze zwei und drei im 6er Reigenfahren der Frauen belegt werden.

Durch diese Erfolge wurde auch der Hessische Radfahrerverband auf den RV „TEUTONIA“ aufmerksam und übertrug uns zum 30-jährigen Bestehen die Ausrichtung der Landesmeisterschaften im Radball, Kunst- und Reigenfahren 1951.

Das Jubiläumsfest zum 30jährigen Bestehen fand vom 7. bis 9. Juli 1951 statt. Es war eine organisatorische Herausforderung für alle Vereinsmitglieder, zumal gleichzeitig die Hessischen Landesmeisterschaften im Saalradsport organisiert werden mussten. Auf dem Festplatz wurde ein Zelt errichtet, welches sich an allen drei Tagen regen Zuspruchs erfreute. Während ein Teil der Radballspiele im Festzelt ausgetragen wurden, fanden die Kunstfahr- und Reigenfahrwettkämpfe sowie der überwiegende Teil der Radballspiele im Saal Huber bzw. im Saalbau Fuchs in Södel statt. Die Mühe hat sich jedoch gelohnt. Neben dem Lob von Sportlern und Gästen konnte man auch noch eine positive finanzielle Bilanz ziehen.

Im Rahmen des Jubiläums wurde der amtierende 1. Vorsitzende Hugo Kraft zum Ehrenvorsitzenden ernannt sowie die Vereinsgründer Albert Hofmann, Hugo Kraft, Theodor Bender, Heinrich Huber, Wilhelm Schneider, Adolf Aledter, Otto Appel u. Wilhelm Stüber zu Ehrenmitgliedern.

Die weiteren Jahre waren geprägt durch eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen, wie Kinderkostümfeste, Preismaskenbälle, Fastnachtsumzüge und Sportabende. Diese Veranstaltungen waren auch die finanzielle Basis des Vereins. Reigenfahren, Radball und zunehmend Rennsport bildeten die Schwerpunkte des sportlichen Geschehens. Auch beteiligte man sich an einer Vielzahl von Jubiläen und Festveranstaltungen der heimischen Vereine bzw. befreundeter Radsportvereine, wobei man neben rein sportlichen Darbietungen den Verein auch durch die Teilnahme an Festzügen repräsentierte.

Leider litt der Sportbetrieb in dieser Zeit etwas unter den unklaren Organisationsstrukturen auf Gau- und Landesebene. Auch der RV TEUTONIA trat in dieser Phase mit einigen Vereinsmitgliedern dem Radfahrerbund Taunus-Wetterau (Bund der kleinen Landvereine) bei. Unter anderem durfte der Verein am 9. und 10. Oktober 1954 auch das Bundesfest mit Bundesmeisterschaften dieser neuen Organisation ausrichten.

1956 beging man mit einem Familienabend das 35. Vereinsjubiläum. Kunstradsportdarbietungen, Rollkunstlauf, Rhönradturnen, Radballspiele und eine Akrobatikgruppe bildeten den würdigen Rahmen dieser Veranstaltung. Da dieser Familienabend bei Vereinsmitgliedern und Gästen sehr großen Anklang fand, wurde er für die nächsten Jahre zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender des Vereins.

Mit Wiedereintritt des kompletten Vereins in den Bund Deutscher Radfahrer und in den Landessportbund Hessen 1959, verstärkte der Verein sein Engagement im Kunstradsport und Radball, währenddessen die Aktivitäten im Rennsport stark zurückgingen. Unterstützt wurde diese Tendenz insbesondere durch die Aufnahme eines kontinuierlichen Trainingsbetriebes in der gemeindeeigenen Sporthalle am Singberg. Schon im gleichen Jahr war der RV TEUTONIA Ausrichter der Bezirksmeisterschaften im Radball und Kunstradsport, an denen auch Sportler des eigenen Vereins teilnahmen.

Durch die Neuanschaffung von 2 Kunstradsportmaschinen stellten sich inzwischen auch die ersten Erfolge im 1er- und 2er-Kunstfahren durch Christel Musch und Annelie Oppler ein.

Am 24., 25. und 26. Juni 1961 stand Wölfersheim ganz im Zeichen seiner Radfahrer, seines Jubiläumsvereins RV TEUTONIA 1921. Festpräsident Hugo Kraft und sein Festausschuss hatten eine Menge Arbeit und Vorbereitungen bewältigt, ehe das Fest mit Kranzniederlegung am Ehrenmal und Totenehrung am Samstagabend beginnen konnte.

Beim Festkommers wurde den Besuchern ein buntes Programm geboten, an welchem sich auch andere Wölfersheimer Vereine beteiligten. Auch konnten unsere Kunstradsportler an diesem Abend ihr inzwischen beachtliches Können unter Beweis stellen.

Am Sonntag wurden ein Radballturnier und ein Geschicklichkeitsfahren für Fahrräder und Motorräder durchgeführt, ehe dann ein großer Festzug durch die prachtvoll geschmückten Straßen unseres Ortes zog. Mit den Entscheidungsspielen im Radball, Tanz und Volksbelustigung wurde das Fest fortgesetzt.

Nach Weckruf und Frühschoppen sowie einem nochmaligen Umzug am Montagnachmittag klang das harmonisch verlaufende Jubiläumsfest aus.

Durch eine gefestigte finanzielle Situation war es nun möglich, weitere neue Hallenradsportmaschinen anzuschaffen und somit eine Grundlage für bessere sportliche Leistungen zu legen.

Waren es zunächst die Kunstradfahrer die aufhorchen ließen, so setzte sich nun der Radballnachwuchs immer besser in Szene. Der Durchbruch gelang 1963. Rainer Oppler/Hilmar Heßler gewannen den ersten Hessenmeistertitel (Schüler) im Radball für den RV TEUTONIA. Sie leiteten mit diesem Sieg eine sehr erfolgreiche Ära des Vereins ein und der RVT dominierte in den nächsten Jahren in allen Schüler- und Jugendklassen des hessischen Radballs. Noch im gleichen Jahr gelang ein 3. Platz bei den Hessenmeisterschaften der Jugend B durch H. Rosenbach/H. Heßler.

Auch die Kunstradsportlerinnen konnten mit guten Platzierungen bei den Bezirks- und Hessenmeisterschaften überzeugen. Grundlage dieser Erfolge war sicherlich die gute Jugendarbeit des damaligen Jugendwartes und langjährigen Vorstands- und Ehrenmitgliedes Karl Erle.

Am 28.12.1963 wurde Hugo Heßler zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er löste nach 42 Jahren Hugo Kraft ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte.

Bedingt durch den Wechsel im Vorstand wurden auch andere Schwerpunkte in der Arbeit des Vereins gesetzt. Hiervon profitierte insbesondere die Sparte Radball, die ihre Erfolge fortsetzte und schon 1964 wiederum mit einem Hessenmeistertitel in der Jugendklasse B durch Hilmar Heßler und Erhard Dieffenbach aufwarten konnte. Ferner gelang der Mannschaft Rainer Erle/Hans Reiner Heßler der Aufstieg in die Landesliga.

Noch in diesem Jahr fand der Hessenpokal mit allen Spitzenmannschaften in Wölfersheim statt. Zwar konnte keine eigene Mannschaft teilnehmen, da man im Amateurbereich noch nicht zur hessischen Topklasse gehörte, doch der RV TEUTONIA glänzte als guter Gastgeber und umsichtiger Organisator.

Über all diese Erfolge legte sich Ende 1964 ein großer Schatten, der die sportliche Entwicklung vorübergehend hemmte. Rainer Erle, unser agiler Radballer und engagiertes Vorstandsmitglied, verstarb, für alle Sportkameraden unfassbar, an einer schweren Krankheit.

Doch das Rad dreht sich weiter! So setzte auch der RV TEUTONIA seinen Siegeszug im Nachwuchsbereich des hessischen Radballs fort.

Hilmar Heßler/Erhard Dieffenbach wurden erneut Hessenmeister der Jugend B, Reiner Oppler und Hans Reiner Hofmann errangen die hessische Vizemeisterschaft in der Schülerklasse und dem neuformierten Team Hans Reiner Heßler/Dieter Splitt gelang mit einem 2. Platz bei den Hessenmeisterschaften der Aufstieg in die Landesliga.

Im Kunstradsport blieb es zu dieser Zeit vorwiegend bei Achtungserfolgen auf Bezirksebene. Im wesentlichen setzten hier Roswitha Suckfiel, Dolores Langlitz, Christel Eichler, Monika Erle, Gisela Reitz und Rita Oppler Akzente.

Gemeinsam mit dem Gesangverein EINTRACHT Wölfersheim veranstaltete man anlässlich dieses erfolgreichen Jahres einen Sportabend. Hier demonstrierten nochmals alle RVT-Akteure ihr hervorragendes sportliches Können einem breiten Publikum. Absoluter Höhepunkt war jedoch die Kür des amtierenden Deutschen Jugendmeisters, Rainer Fein, aus Delkenheim.

Von Jahr zu Jahr hatten sich die Leistungen unserer Radballer stabilisiert. Als Lohn für harte Arbeit und intensives Training wurden 1966 drei Mannschaften des RV TEUTONIA in den D-Kader des Hessischen Radfahrerverbandes berufen. Durch die regelmäßige Teilnahme an den Kaderlehrgängen und Qualifikationsturnieren erreichte man ein beachtliches Leistungsniveau und die nächsten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten.

Noch im Jahre 1966 gründeten die damals vier größten Vereine TSG, Gesangverein EINTRACHT, Spielmannszug FREI-WEG und Radfahrerverein TEUTONIA den Kulturring Wölfersheim. Erklärtes Ziel dieses Zusammenschlusses war es, künftig Veranstaltungen in der kurz vor der Eröffnung stehenden Wetterauhalle gemeinsam durchzuführen und so für stets gut besuchte Veranstaltungen zu sorgen. Eine gute Entscheidung, wie sich später noch herausstellen sollte.

Nach nur dreijähriger Amtszeit, in der er jedoch entscheidende Akzente setzte, kandidierte Hugo Heßler aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für den Vorsitz im RVT. Zum neuen Vorsitzenden wurde am 7. Januar 1967 Hans Reiner Heßler gewählt.

Die Wetterauhalle wurde am 15. April 1967 ihrer Bestimmung übergeben und war von nun an sportlicher und kultureller Mittelpunkt der Gemeinde Wölfersheim. Das wohl erfolgreichste Jahr in der Vereinsgeschichte hätte somit nicht besser von einem Regisseur in Szene gesetzt werden können, denn schon einen Tag nach der Eröffnung richtete der RV TEUTONIA die Hessenmeisterschaften im Radball der Jugend A in der Wetterauhalle aus. Hilmar Heßler/Erhard Dieffenbach sicherten sich dabei mit dem 2. Platz die Teilnahme an den Westdeutschen Meisterschaften.

Anlässlich 40 Jahre Radball im RV TEUTONIA übertrug der Bund Deutscher Radfahrer unserem Verein die Westdeutschen Meisterschaften der Jugend A und die Aufstiegsspiele zur Bundesliga. Die Wetterauhalle war gefüllt bis auf den letzten Platz. Bei großem Medieninteresse, sogar das Hessische Fernsehen übertrug aus Wölfersheim, hätte es nicht besser kommen können. Unser Team Heßler/Dieffenbach wurde überzeugend Westdeutscher Meister der Jugend A und qualifizierten sich gleichzeitig für die Deutschen Meisterschaften in Böblingen.

Doch leider lief es bei den Deutschen Meisterschaften nicht ganz nach Wunsch, so dass sich unsere Mannschaft mit einem 4. Platz zufrieden geben musste. Aber auch die anderen Radballteams des RVT waren 1967 äußerst erfolgreich. Die sportliche Bilanz verdeutlicht dies.

Hilmar Heßler/Erhard Dieffenbach Westdeutscher Meister der Jugend A und 4. Platz bei der Deutschen Meisterschaft
Hans Reiner Hofmann/Rainer Oppler Hessenmeister der Jugend B
Reinhold Stüber/Detlef Döll 3. Platz Hessenmeisterschaft Jugend B
Walter Mörschel/Heinz Putensen  Hessischer Vizemeister der Schüler
Hans Reiner Heßler/Dieter Splitt Aufstieg in die Landesliga-Hessen

Neben den Meisterschaften organisierte der Verein in der nächsten Zeit auch eine Vielzahl von nationalen und internationalen Turnieren sowie Kunstradsportveranstaltungen. Die kulturellen Veranstaltungen wurden mit Ausnahme des Kinderkostümfestes gemeinsam im Kulturring Wölfersheim durchgeführt. All dies hatte zur Folge, dass der Verein sich auch eine finanziell gute Basis sichern konnte, zumal der stetig anwachsende Spiel- und Wettkampfbetrieb Mehrkosten verursachte.

Am 17. März 1969 wurde der RV TEUTONIA Wölfersheim ins Vereinsregister des Amtsgerichtes Friedberg unter der Nr. 348 aufgenommen ein wichtiger rechtlicher Schritt zum Schutz der ehrenamtlich Verantwortlichen des Vereins. Im gleichen Jahr schafften die neu formierten Teams Hilmar Heßler/Hans Jörgen Roos den Aufstieg in die Oberliga und Reinhold Stüber/Erhard Dieffenbach den Aufstieg in die Landesliga.

Der Spielbetrieb verstärkte sich erheblich, insbesondere auch durch internationale Begegnungen. Mit belgischen und Schweizer Mannschaften pflegte man einen engen Kontakt. Dies gab der Vereinsarbeit den nötigen Motivationsschub, so dass auch die Nachwuchsarbeit nochmals forciert wurde und sich schon bald wieder größere Erfolge abzeichneten.

Klaus Diehl und Klaus Groß wurden 1972 in der Schülerklasse souverän Hessenmeister und qualifizierten sich somit für die 1. Deutschen Schülermeisterschaften im Hallenradsport, die in Kriftel ausgetragen wurden. Mit einer überzeugenden Leistung wurden Diehl/Groß Deutscher Vizemeister, wobei sie erst im Entscheidungsspiel den späteren Bundesligisten und Europacup Siegern Müller/Geilert aus Hannover mit 1:2 unterlagen.

Nordhessenmeister der Jugend B wurden in diesem Jahr Jens Diehl/Wolfgang Piecha und R. Stüber/E. Dieffenbach stiegen in die Verbandsliga auf.

Inzwischen hatten sich H. Heßler/H.J.Roos in der Oberliga etabliert und nahmen 1973 erstmals an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga teil. Leider konnte trotz guter Vorstellung nur der 4. Platz belegt werden. Auch in den darauffolgenden Jahren war das Team immer unter den drei Erstplazierten der Hessischen Oberliga zu finden. Jedoch bei den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga fehlte immer das Quentchen Glück, manchmal spielten auch die Nerven den beiden einen Streich und so gelang der von allen erwartete große Durchbruch leider nicht.

1975 organisierte der RV TEUTONIA erstmals ein Volksradfahren, eine Veranstaltung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut und auch heute noch fester Bestandteil des Vereinsangebotes ist.

Über unerfreuliche Dinge zu berichten, bedeutet bei Hallenradsportvereinen meist Ärger mit Behörden oder Hausmeistern. Auch der RV TEUTONIA blieb von solcher Unbill nicht verschont. Nach Fertigstellung der Turnhalle im Ortsteil Södel veranstaltete man einen Radballvergleichskampf Tschechien gegen ein gemischtes Team vom RV Krofdorf (zwei Mannschaften) und RV TEUTONIA Wölfersheim (eine Mannschaft). Mit dabei die vielfachen Weltmeister Jan und Jindrich Pospisil aus Brünn. Es war eine überwältigendes „Radsportfest“. Die Tribünen der Södler Turnhalle reichten nicht aus und es mussten zusätzlich Stühle aufgestellt werden, um ausreichend Platz für die große Anzahl von begeisterten Radballfans zu schaffen. Die Gäste aus Tschechien gewannen den Vergleich deutlich. Unsere Mannschaft, H. Heßler/H.J. Roos, musste gegen die Weltmeister aus Brünn eine klare 5:13 Niederlage hinnehmen.

Am Tag danach begann die unendliche Geschichte. Der Abrieb der Reifen, der durch das Bremsen am Boden haftete, wurde als eine irreparable Beschädigung des Hallenbodens politisch hochstilisiert. Dies führte dazu, dass der RV TEUTONIA ab sofort Hallenverbot erhielt. Besonders betroffen hiervon war die 5er Radballmannschaft, die gerade in die höchste hessische Spielklasse aufgestiegen war und sogar die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft schien nicht unmöglich. Durch das Hallenverbot nahm man dem Team die Trainingsmöglichkeiten, also die Basis für diese Disziplin. Obwohl die Mannschaft sehr ausgeglichen und harmonisch besetzt war und spielerisch zu den Besten zählte, entschloss man sich aufgrund der Gegebenheiten die 5er Radballmannschaft aufzulösen. Was folgte, waren langwierige Gespräche mit dem Gemeindevorstand, die dazu führten, dass der RV TEUTONIA die Turnhalle in Södel nur noch in Ausnahmefällen für größere Hallenradsportveranstaltungen nutzen kann.

1976 war erstmals die japanische Radballnationalmannschaft in Wölfersheim zu Gast. Die freundliche Aufnahme und die sportliche Begegnung gefielen unseren Gästen aus Asien so gut, dass sie sich entschlossen sich in Wölfersheim auch auf die Weltmeisterschaften 1977 vorzubereiten.

Obwohl man keine Möglichkeit hatte 5er Radball zu trainieren bzw. Spieltage in Wölfersheim auszutragen, hat man 1978 trotzdem eine Mannschaft gemeldet und diese schaffte auf Anhieb den Aufstieg in die höchste hessische Spielklasse. Der RV TEUTONIA verfügte in diesen Jahren über eine große Anzahl von Mannschaften sowohl im Jugend – als auch im Erwachsenenbereich. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Rückgang im Kunstradsportsektor unverkennbar.

Die Zeit ist im Wandel, diese Erfahrung macht auch der RV TEUTONIA. Viele Veränderungen und Neuerungen stehen an. Die Einnahmen bei den Kulturringveranstaltungen gehen zurück, der Spielbetrieb wird noch intensiver und erfordert weitere finanzielle Mittel. 1978 findet erstmals wieder ein Fastnachtsumzug statt, an welchem auch unser Verein mit einem Motivwagen teilnimmt.

Mehr Ausgaben erfordern neue Einnahmequellen und strukturelle Veränderungen. Bei den vier Vereinen, die im Kulturring zusammengeschlossen sind, war Kreativität gefragt. Sie organisieren 1979 die 1. Wetterauer Leistungsschau. Viele Skeptiker, die damals an einen dauerhaften Erfolg nicht glauben wollten und meinten, es könnte nur eine “Eintagsfliege“ sein, wurden inzwischen eines Besseren belehrt. Die Wetterauer Leistungsschau hat sich nicht nur zu einem festen Bestandteil des regionalen Wirtschaftslebens entwickelt, sondern hat sogar eine Vorreiterrolle übernommen und viele Nachahmer im ländlichen und mittelständischen Raum gefunden. Ein Glücksfall für die beteiligten Vereine, natürlich auch für den RV TEUTONIA.

Der Verein modifizierte 1980 seine Satzung, um als gemeinnützig anerkannt zu werden. Die Kirmes wird in diesem Jahr nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde in eigener Regie durch den Kulturring durchgeführt, somit können zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden.

Am 13. und 14. Juni 1981 feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Ein internationales Radballturnier mit Mannschaften aus drei Nationen, ein Kommersabend sowie ein Volksradfahren mit anschließendem Frühschoppen gaben dem Jubiläum den würdigen Rahmen. Darüber hinaus war dieses Jahr bereits durch Vorbereitungen für das Europacup-Finale im Radball 1982, das der Bund Deutscher Radfahrer dem RV TEUTONIA übertragen hatte, geprägt.

Mit dem Europacup-Finale am 4. und 5. Juni 1982 in der Turnhalle Södel organisierte unser Verein die wohl bedeutendste sportliche Veranstaltung, die jemals in Wölfersheim stattfand. Unter der Schirmherrschaft des damaligen hessischen Ministerpräsidenten, Holger Börner, trafen die acht besten Radballmannschaften der Welt aufeinander. Da die starken Nationen nicht nur ein Team melden durften, war das Feld noch stärker als bei Weltmeisterschaften. Es war ein äußerst spannender Wettkampf, auf sportlichem sehr hohem Niveau. Obwohl die Medien sehr viel Interesse an der Veranstaltung zeigten, die Vorberichterstattung optimal war und auch der Vorverkauf nichts zu wünschen übrig ließ, konnten die Akteure ihr großes Können nur vor spärlich besetzten Rängen zeigen. Die Wetterlage bescherte uns just an diesem Wochenende eine Hitzewelle, so dass selbst Dauerkartenbesitzer die Halle nach kurzer Zeit wieder verließen. Dies war jedoch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten war der Europacup für unseren Verein ein großer Erfolg, sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Außenwirkung.

Im Laufe der nächsten Jahre vollzog sich wieder ein naturgemäßer Umbruch. Die älteren Radballmannschaften zogen sich teilweise aus dem Spielbetrieb zurück, so auch unser damaliges Spitzenteam Reinhold Stüber/Erhard Dieffenbach, und die jüngeren Teams versuchten den Anschluss an die hessische Radballspitze zu finden. 1985 gelang Jens Schöpke/Ralf Ulrich der Aufstieg in die Verbandsliga. In ihrem Sog stiegen auch zwei weitere Mannschaften in die Landesliga auf, nur die Nachwuchsarbeit ließ zu wünschen übrig. Die Wetterauer Leistungsschau entwickelte sich immer besser und wurde zusehends zu einem Eckpfeiler der Vereinsfinanzen.

Erst 1987 fand man in Wolfgang Rieß wieder einen engagierten Jugendwart. Mit Kontinuität und neuen Ideen forcierte er die Nachwuchs- und Jugendarbeit im Verein und legte somit den Grundstein für spätere Erfolge.

Der Kunstradsport machte 1991 wieder seine ersten vorsichtigen Gehversuche. Eckehard Messing, 16facher DDR-Meister im 2er Kunstradfahren, der inzwischen in Nidda wohnte, hatte das Training übernommen. Nach anfänglichen Problemen mit der Hallennutzung, die immer wieder dazu führte, dass ein regelmäßiges Training nicht möglich war, gelang es dem Vorstand doch, zwei Trainingstage in der Turnhalle der Singberg-Schule zu bekommen.

Obwohl Wolfgang Rieß inzwischen sein Amt als Jugendwart zur Verfügung gestellt hatte und die Radballjugend nicht mehr betreute, gebührt ihm sicherlich ein Anteil an den Erfolgen unserer Jugendmannschaft Oliver Ott/Patrick Diehl, die sich 1992 überraschend für die Deutschen Meisterschaften in Gärtringen qualifizieren konnten. Nur mit einer Außenseiterrolle bedacht, doch wer kann es verdenken, dass insgeheim auch einige andere „Träume“ gehegt wurden, nahmen die beiden erstmals an einem solch wichtigen Turnier teil. Dass die Träume nicht in Erfüllung gingen und unsere Mannschaft „nur“ einen 7. Platz belegte, schmerzte zwar zunächst ein wenig, konnte aber die insgesamt hervorragende Saisonleistung der beiden nicht abwerten.

Nachdem Ott/Diehl altersbedingt in die Juniorenklasse aufstiegen, wollte es ihnen unsere 2. Jugendmannschaft Frank Schöpke/Guido Schäfer nachmachen. Was selbst die größten Optimisten nicht für möglich gehalten hatten, trat ein. Schöpke/Schäfer qualifizierten sich 1993 ebenfalls für die Deutschen Jugendmeisterschaften in Oberaußem. Jedoch es erging ihnen ähnlich wie ihren Vereinskameraden ein Jahr zuvor. Das fremde Umfeld, die große Halle und die vielen Zuschauer forderten ihren Tribut. Unsere Mannschaft konnte ihre Nervosität in keiner Phase des Wettkampfes ablegen und kam somit über einen 8. Tabellenplatz nicht hinaus. Die Erfolge wären in dieser Zeit sicher noch größer gewesen, wenn den Radballern unseres Vereins bessere Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Die Singberg-Sporthalle reicht nicht nur nicht mehr für eine Ausweitung des Trainingsbetriebes aus, sondern birgt auch wegen ihrer unzulänglichen Abmaße erhöhte Verletzungsgefahren für Zuschauer und Sportler, von der Nettotrainingszeit pro Sportler ganz zu schweigen.

Hilmar Heßler